PSYCHOTIC REACTION
 
 
 

 

Masters Of Trash

 

 

Hi, mein Name ist Martin Ernst und hier ist die Geschichte von "The Psychotic Reaction" - soweit ich mich noch erinnere! Wenn mir jemand auf die Sprünge helfen kann, freue ich mich sehr!
We got more- a lot more:

Gegründet wurde die Band von meinem Klassenkameraden Hans- Willi Blatzheim und mir im Jahre 1967 in Aachen. Alle Bandmitglieder waren blutige Laien und es war die erste Band für alle. Erst hatte auch nur Hans- Willi seine Gitarre. Also wurden die ersten Meetings mit endlosen Diskussionen um - den Bandnamen - die Musikstücke, die wir spielen wollten und - wie wir an Instrumente kommen könnten verbracht. Der erste Bassist war dann auch nicht mein Bruder (siehe: keine Bassgitarre), sondern jemand, dessen Namen ich nicht mehr weiss. Er hatte genug Geld, um eine Bassgitarre für 160,00 DM bei Quelle zu kaufen. Der Schlagzeuger bekam seine Schiessbude von seinen Eltern. Bei ihm wurde auch geprobt. Da wir natürlich auch keine Verstärker hatten, haben wir zwei große Radios aufgetrieben (die mit dem "magischen Auge"). In unzähligen Versuchen haben wir herausgefunden, wie man Kabel lötet und die richtigen Litzen in die lauteste DIN- Buchse manövriert.... für den Sänger reichte mein Grundig- Tonband- Mikro. Ja, ich hatte nix, also stand ich dabei und habe geistig und lingual mitgeübt. Mein Bruder (Hans- Reginald) durfte auch dabei sein- er zeigte dem Bassisten, wo und wie er drücken mußte, damit die richtigen Töne aus seinem Bass kamen. Die ersten Auftritte fanden im Jugendheim der Pfarrei "Herz Jesu" in Aachen statt. Dort stand ein Klavier (ich war gerettet). Man hörte davon zwar nichts, denn die beiden Verstärker und das Schlagzeug waren viel lauter. Am Ende taten mir meine Hände weh, aber wir waren jetzt ja Stars!

Unsere Erfolgstour durch die Jugendheime Aachens konnte beginnen! In unseren besten Zeiten hatten wir fast jede Woche einen Auftritt. Ohne Gage natürlich. Und mit unseren Radios. Mein Versuch, eine Orgel zu kaufen, scheiterte, da ich die 250,00 DM für die gebrauchte Phillicorda Orgel (Hans Dieter Hüsch spielt so ein schauerliches Ding bis heute!) trotz Ratenzahlungen nicht aufbringen konnte.

Wenig später las ich eine Anzeige, in der ein Klavier für DM 80,00 verkauft wurde. Mit meinem Freund Hans Momber fuhr ich mit Bus und Bahn in die Kneipe und wir kauften das Klavier. Der Nachteil: es mußte sofort mitgenommen werden. Nun gut, dachten wir, das Ding hat ja vier Räder und der Adalbergsteinweg geht ja erst mal bergab. Anfangs ging auch alles gut, bis das erste Rad abbrach. Noch waren wir gut drauf und richtig schlimm wurde es erst, als das zweite Rad abbrach. Und es zu regnen anfing.

Was tun? Nun, in unserer Verzweiflung hielten wir den Daumen raus und- unglaublich aber wahr- ein kleiner Transporter hielt an und wollte uns mitnehmen. "Nun ja, wir haben da ein kleines Problem" mußten wir gestehen und deuteten auf das Klavier--- der Typ hat uns tatsächlich mitgenommen! Beim Haus unseres Schlagzeugers angekommen haben wir das Klavier herausgewuchtet und wollten es in den Keller bringen. Doch damit war nix: die Mutter verbot es uns, da es den Linoleumboden im Keller zerdrückt hätte! Also mußten wir das Klavier vor dem Haus im Regen stehen lassen und nach Hause gehen.

Im Sommer 1968 lernten wir Rudolf Goblet kennen, der unser Manager werden wollte. Sein unschlagbares Argumet: eine Platte sollte produziert werden. Das war damals nicht so wie heute, wo jeder mit dem Computer einen "Song" machen kann und den dann ganz easy auf CD brennt. Nix da! Ein Dr. Rudolf Binder ("Dokumentar Tonaufnahmen") kam mit seinem Equipment aus Landshut: ein 6- Kanal-Mischpult, Mikrofone und eine riesige Telefunken Stereo- Maschine. Aber wir hatten ja immer noch kein Equipment! Die Lösung war folgende: in meiner Schule (Kaiser- Karls- Gymnasium) war eine Klasse höher ein ganz toller Gitarrist, der Günter Krause. Der spielte in der Band "Average". Und die hatten das amtliche Zeug: einen Vox Gitarrenverstärker und der Horst Reinecke hatte eine FARFISA- Orgel mit einem (unechten aber faszinierenden) Leslie. Die Lösung war ein Kompromiss: Average leiht uns das Equipment und dürfen dafür ein Stück auf der Single spielen. Alles klar: Aufbau im Jugendheim "Herz Jesu". Dr. Binder verkabelt die Instrumente. Auch der Gitarren- Verstärker bekam ein Kabel (er dachte echt, der wäre kaputt, weil er so verzerrt!!!) und dann ging´s los. Natürlich alle auf einmal spielen und solange, bis alles einigermaßen richtig war. Inzwischen durfte mein Bruder auch offiziell mitspielen- unser eigentlicher Bassist hatte aufgegeben. Und dann waren wir auf einmal fertig und der Toningeneur hatte noch Zeit. Und auf der Platte war noch Platz. Also "komponierte" ich schnell ein Stück: das "Prelude in C", bei dem der Horst dann den im Jugendheim vorhandenen Flügel spielen durfte. Und der "Average"- Schlagzeuger Hügi van Houten durfte auf seinem Schlagzeug spielen.

Eine andere Geschichte fällt mir noch zu den beiden Bands ein: Ich spielte von da an in beiden Bands. Procol Harum hatte ja auch zwei Keyboarder! Und so kam es, daß beide Bands an ein und demselben Abend einen Auftritt hatten. Es war Karneval. Für die anderen, die Spießer. Wir feierten alternativ! THE PSYCHOTIC REACTION spielte im Jugendheim (wo sonst) und AVERAGE hatte einen Auftritt im Kernforschungszentrum in Jülich. Drei Tage hintereinander!!!! Eine Abordnung war extra zu einer Probe gekommen, um festzustellen, ob wir überhaupt gut genug wären. Also, gegen 21.00 Uhr stand meine Mutter mit laufendem Motor vor dem Jugendheim, um mich nach Jülich zu bringen. Dort spielte schon AVERAGE.

Als wir da ankamen, war mein Entsetzen groß: alle Leute waren kostümiert, Luftballons, Luftschlangen, Tröten... und dann wir, die wir zwar Songs von King Crimson, Vanilla Fudge oder Iron Butterfly draufhatten, aber kein einziges Karnevalslied! Die Stimmung war entsprechend. Also setzte sich meine Mutter neben die Bühne, schrieb auf ein kleines Notizblättchen immer einen Karnevalssong, der dann in der Band herumgereicht wurde. Dann haben wir versucht, diese zu spielen. Und wenn man schon mal die Refrains kennt, dann ist man schon gut. Keiner kannte irgendwelche Strophen....und in welcher Tonart??? Wir brauchten dann die beiden anderen Tage nicht mehr zu spielen...

 
  Sollte einer der alten Weggefährten das lesen, würde ich mich sehr freuen, wenn er sich meldet!

Martin Ernst, Köln im Juli 2003

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